Heute geht´s hinauf auf dem Dom

Text von Dieter Haase
Volksstimme, 01. Juni 2016, Seite 19, Elb-Havel-Echo

Havelberg l Zum Thema “Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes“ hatte Wolfram Bleis im Dezember 2015 im ArtHotel Kiebitzberg bereits den theoretischen Teil abgehandelt. Hier ging es hauptsächlich um den Bau des Westwerks des Domes, an dem im Laufe der Zeit die eine oder andere Veränderung vorgenommen wurde.
Heute nun soll Teil 2 folgen, die bautechnische Begehung. Wolfram Bleis wird alle Interessenten mit an die Orte im Westwerk nehmen, an denen diese Veränderungen noch heute deutlich zu erkennbar sind. Ob der Havelberger Bischof Walo (1155 – 1177/78) in seinen Amtsjahren bereits geahnt hat, dass der Dom noch mehrfach umgebaut werden würde, ist schwer zu sagen.
Vielleich kann bei diesem Rundgang, auch auf die Veränderung der zum Einsatz gekommenen Fußmaße Antwort gefunden werde. Erinnert soll nur daran werden, dass während der Bautätigkeit drei bekannte Fußmaße im Havelberger Dom Verwendung fanden, das Hirsauer Fußmaß (29,54 cm), das Staufisches Fußmaß (30,50 cm) und das Havelberger Fußmaß (31,11 cm), wie es Wolfram Bleis bezeichnet.
Die Veranstaltung findet im Dom St. Marien, statt. Die Mitglieder des Heimatvereins Havelberg und geschichtsinteressierte Gäste sind herzlich willkommen. Wir treffen uns mit Wolfram Bleis vor dem Westwerk am 01.06.2016 um 18:00 Uhr.
An Stelle eines Eintrittspreises wird um eine Spende zur Deckung der Unkosten gebeten. Die Termine zur Veranstaltungsreihe können auch über die Homepage des Vereins unter http://www.havelberg-heimatverein.de/termine-veranstaltungen abgerufen werden.

Ein Turm im Angesicht des Feindes

Text von pm/rh und
Bild von Frank Ermer
Generalanzeiger, 17Januar 2016, Seite 2,Lokales

Herbst-/Wintervortragreihe des Havelberger Heimatvereins fortgesetzt

Wolfram Bleis bei der Einweisung zum Vortrag - Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes - 2

Wolfram Bleis bei der Einweisung zum Vortrag „Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes“ im ArtHotel Kiebitzberg. Foto: Frank Ermer

Havelberg – Als Wolfram Bleis mit seinen Ausführungen begann, wusste noch niemand der Zuhörer, was auf sie zukommen sollte. Ein kurzweiliger und sehr informativer Abend über das Westwerk des Havelberger Domes St. Marien begann in einem sehr anspruchsvoll hergerichteten Raum des ArtHotel Kiebitzberg.
Ähnlich muss es wohl am 16. August 1170, übrigens ein Sonntag, dem Havelberger Bischof Walo (1155 – 1177/78) ergangen sein. Von diesem Tag an, konnten die Havelberger Bischöfe eine Kathedralkirche ihr eigen nennen. Der Erzbischof Wichmann von Seeburg, Bischof Walo und die Bischöfe Wilmar von Brandenburg, Evermond von Ratzeburg und Gero von Meißen, nahmen an diesem Tag die feierliche Domweihe vor. Die anwesenden Gäste, der gealterte Albrecht der Bär, dessen Sohn Otto I. und der Fürst Kasimir von Pommern, statteten das Bistum mit umfangreichen Besitzungen sowie unzähligen Rechten aus.
Um diesen Bau so würdevoll an diesem Tag einweihen zu können, hat man im Jahre 1150, vielleicht auch schon 1147, direkt nach dem Wendenkreuzzug, mit der Grundsteinlegung und dem Bau des Domes begonnen. Obwohl der Dom später gotisch überbaut wurde, sind heute noch die romanischen Grundstrukturen sehr gut zu erkennen. Wolfram Bleis leitete seinen Vortrag mit einem Briefauszug, von Amsel von Havelberg an Wibald von Corvey, ein. Amseln von Havelberg schrieb im Jahre 1151 an seinen Freund Abt Wibald von Corvey (1146-1158) einige Worte über die damalige Lage seiner Kirche in Havelberg, „…, wo er sein Haupt hinlegen soll; so werde ich doch mit meinen armen Brüdern in dem kleinen Bethlehem (Havelberg) angenehmer und glücklicher wohnen,… . Ich Armer des Herrn pauper (lat. “arm“) Christi – wie sich die Prämonstratenser selbst zu nennen pflegten – bleibe daher mit meinen armen Brüdern in meiner Krippe Havelberg, wo einige bauen an den Thürmen der Befestigung vor dem Angesichte des Feindes; andere Wache halten zur Vertheidigung gegen einen Ueberfall der Heiden; …“ Quelle: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Herausgegeben von Adolph Friedrich Riedel, 1842. In dieser Textpassage beschreibt Amsel höchstpersönlich wie an einem Turm, das heutige Westwerk, in Havelberg gebaut wurde.
Im Zuge der Baumaßnahmen am Westwerk des Havelberger Domes kam es auf Grund unterschiedlicher Bedingungen zum Wechsel der Baumeister und so auch zur Anwendung von unterschiedlichen Fußmaßen in jener Zeit. Während der Bautätigkeit sind bekannter weise drei Fußmaße verwendet worden, das Hirsauer Fußmaß (29,54 cm), das Staufisches Fußmaß (30,50 cm) und das Havelberger Fußmaß (31,11 cm), wie es Wolfram Bleis bezeichnet. Der Einsatz der unterschiedlichen Masse ist heute noch an der Nord-West-Ecke des Westwerkes deutlich zu erkennen. Diese vielen Wechsel der Baumeister, sind auch darin begründet, das Amseln beim König einige Zeit in Ungnade gefallen war und so nicht immer die gewünschten Meister am Dom ihre Kunst vollenden konnten. Im Erdgeschoss des Westwerkes ist eine Raumaufteilung von drei Räumen zu erkennen, die sich aber ab dem 2. Obergeschoss verliert.
Im Erdgeschoss befanden sich im mittleren Raum 3 Türen. In den Räumen im nördlichen und südlichen Teil jeweils nur eine Tür in östlicher Richtung zum Kirchenschiff. Diese Tü- ren konnten mit sogenannten Schubriegeln, die heute noch erkennbar sind, nur von innen verschlossen werden. In den Räumlichkeiten fanden ca. 339 Personen Schutz. Die untere Etage diente als passiver Schutz für die am Dom arbeitenden Baumeister, Tagelöhner, aber auch für den Bischof und dessen Hofstaat. Den Abschluss der Räume im Erdgeschoß bildet eine eingewölbte Decke. Ab der 1. Obergeschoss wurde darauf aber bereits verzichtet.
So wie das Westwerk da steht, mit seinen ca. 130 cm dicken Mauern, kann man es auch gut als Bergfried bezeichnen. Der Bergfried war im Mittelalter das höchste Gebäude in einer Burg- oder Klosteranlagen und wurde bis ins 12. Jh. zumeist quadratisch oder rechteckig gebaut. Er diente als Zuflucht oder Lagerstätte. Der Eingang lag entweder sehr hoch, nur durch Leitern erreichbar oder konnte nur vom inneren der Anlage betreten werden. In den unteren Geschossen wurde als Baumaterial die sogenannte Grauwacke oder Gommern-Quarzite verwendete. Die in Blöcken geschlagen und in unterschiedlichen Größen (ca 30 x 60 cm) Verwendung fand. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass dieses Baumaterial für einen anderen Kirchenbau bestimmt war.
Es gibt noch eine Vielzahl von Fakten zu erwähnen, jedoch soll an dieser Stelle auf ein Buch von Wolfram Bleis hingewiesen sein, welches voraussichtlich im Spätherbst 2016 erscheint. Dort kann man alle wichtigen Details zum markantesten Bauwerk der Stadt nachlesen.
Der Heimatverein, möchte sich bei allen Referenten und Gästen, die am ersten Teil der Vortragreihe teilnahmen und sie gestalteten recht herzliche bedanken. Ein besonderer Dank, geht an das ArtHotel Kiebeitzberg, das den Heimatverein bei der Vortragsreihe hervorragend unterstützt hat.

Der Turm des Domes steht im Mittelpunkt

Text von Andrea Schöder
Volksstimme, 15. Dezember 2015, Seite 17, Elb-Havel-Echo


Havelberg
  Der Havelberger Heimatverein lädt zur dritten Veranstaltung  der Herbst- /Wintervortragsreihe ein, die dieses Mal unter dem Titel „Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes“ steht. Zu Gast in Diplomingenieur Wolfram Bleis aus Rathenow. Das Thema ist gegenüber der ursprünglichen Planung leicht abgewandelt, berichtet der stellvertre-tende Vereinsvorsitzende Frank Ermer.
Und weiter: Der Havelberger Dom St. Marien gehört zu den ganz wenigen romani-schen Bauwerken, bei denen dank der damals verwendeten Bautechnologie in Verbin-dung mit modernen Messmethoden einzelne Bauabschnitte exakt datierbar sind. Damit sind nicht nur Rückschlüsse auf den tatsächlichen Bauablauf möglich, sondern auch ungeahnte Einblicke in die Planungsarbeit an einem solchen Großbau. Es werden sogar Wechsel bei den planenden Baumeistern sichtbar. Selbst die Anwendung des damals neuesten Baumaterials, des Backsteins, lässt sich exakt datieren. Insgesamt bietet das Mosaik von verschiedenen neuen Erkenntnissen einen völlig unerwarteten Blick auf die Baugeschichte und die Gestalt des romanischen Havelberger Doms.
Der Vortrag beginnt am heutigen Dienstag um 17 Uhr im Havelberger ArtHotel Kiebitz-berg. Einlass ist ab 16.30 Uhr. Für Mitglieder kostet der Eintritt drei Euro, für alle ande-ren Gäste fünf Euro.
Alle Termine zur Veranstaltungsreihe sind im Internet auf der Homepage des Vereins unter http://www.havelbergheimatverein.de/termineveranstaltungen zu finden. Der erste Vortrag im neuen Jahr ist für den 26. Januar geplant. Dann berichten die Museologiimen Sabine Ball und Antje Reichel zum Treffen von Friedrich Wilhelm I. und Zar Peter I. vor 300 Jahren in Havelberg.

Jahresbrief 2010

Den Jahresbrief 2010 des Heimatvereins mit Informationen zu Veranstaltungen in Havelberg und Prignitz z.B. mit Chor und Plattdüütschen, Schifferverein, Exkursion zum Brandenburger Dom, Wiedereinweihung des Veteranendenkmals auf dem Havelberger Stadtfriedhof, Bischofsfigur im Ortsteil Wöplitz, Spendenaktionen, etc. können Sie hier als pdf-Datei nachlesen
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Jahresbrief 2007

Den Jahresbrief 2007 des Heimatvereins mit Informationen zu Veranstaltungen in Havelberg und Prignitz z.B. mit Chor und Plattdüütschen, Schifferverein, Fahrten, Spendenaktionen, wie ging es voran mit der Mauersanierung zwischen Krankenhaus und Dom, etc. können Sie hier als pdf-Datei nachlesen
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