Heimatverein macht alten Domfriedhof frühlingsfit

Text: Wolfgang Masur
Foto: Wolfgang Masur
Volksstimme, Do., 29. März 2018, Seite 15, Elb-Havel-Echo

Heimatverein macht alten Domfriedhof frühlingsfit                            Foto: Wolfgang Masur

Zum ersten Arbeitseinsatz in diesem Jahr hatten sich einige Mitglieder des Havelberger Heimatvereins auf dem alten Domfriedhof getroffen. Bei strahlendem Sonnenschein wurde kräftig zugepackt und auf dem sehr großen Areal, das eine grundhafte Neugestaltung zur Bundesgartenschau 2015 erhielt, waren schnell die ersten Erfolge zu sehen. Der Heimatverein hat sich nach der BUGA dazu bereit erklärt, das Gelände in Schuss zu halten. „Wir machen heute eine Grundreinigung, bei der das alte Laub wegkommt und die Beete gereinigt werden. Zum Osterfest soll hier alles ansehnlich sein und daher haben wir auch schon die Parkbänke aufgestellt“, so Organisatorin Waltraud Gennermann. Der nächste Arbeitseinsatz soll bereits in vier Wochen stattfinden und dazu werden dann auch mehr Helfer erwartet.

Experiment kommt in Sandau gut an

Text: Ingo Freihorst
Foto: Ingo Freihorst
Volksstimme, Do., 29. März 2018, Seite 20, Elb-Havel-Echo

Beim ersten Plattdeutschtreff des Jahres wurden Texte in der alten Muttersprache gemeinsam verlesen

Seit einem Jahr leitet der Jederitzer Eckard Glasow die Singegruppe des Havelberger Heimatvereins musikalisch

Eine Premiere gab es auf dem ersten Plattdeutschnachmittag in diesem Jahr in  Sandau: Alle Anwesenden lasen Texte in der alten Muttersprache.

Sandau „Plattdütsch bliffit in Traditschoon, so lange wie Plattdütsch schnaken doun. Wie setten Plattdütsch wiet noah boaben un willn’t noah lange nich begroaben.“ –  Dieser Wahlspruch der Kyritzer Plattschnaker, der vor jedem Treff verlesen wird, hatte Heide Schumann, die Organisatorin der Treffs des Havelberger Heimatvereins, auf die Idee gebracht, doch auch einmal gemeinsam mit allen Anwesenden Platt zu lesen.
Ergänzt wurde der Spruch mit weiteren, unter anderem von „mien Mudding“, wie Heide Schumann berichtete. So wie jener: „Müd‘, matt, marod un krank un een bäten fuul doamang.“ Verlesen wurde auch der Großderschauer Wahlspruch: „Nich vergäten – Plattdütsch räden!“ Das Experiment von Heide Schumann kam jedenfalls gut an, es wurde eifrig mitgelesen.

Een jeder fääch vör sien‘ eegen Dör, hee find’t manch eegen Schiet doavör!“
Aufschrift an einem Haus in Röbel

Annemarie Ostermeier ist in Sandau aufgewachsen und kennt den Schützenhaussaal aus ihrer Jugend

Humorvolle Geschichten auf Platt präsentierte Nis Clason

Musikalisch begleiteten natür-lich wieder die plattdeutsche  Singegruppe das Treffen, sie steht nun schon seit einem Jahr unter der musikalischen Leitung des Jederitzers Eckard Glasow. Aus diesem Anlass gab es für ihn einen kleinen Blumentopf. Heide  Schumann erinnerte bei der Gelegenheit an dessen plötzlich verstorbene Vorgängerin – „unser Gretchen mit de Treckfiedel“. Der gemeinsame Gesang gab allen die Kraft zum weitermachen. Im Schützen-haussaal wurden diesmal natürlich Frühlingslieder präsentiert, Erna Möbius und Rotraud Stock rezitierten „Riemels“ zu diesem Thema. Ferner ertönte der Kuckuckswalzer auf dem „Schifferklavier“ des Jederitzers.
Jüngster Plattschnacker im Programm war der zehnjährige Justin Lindner aus Bad Wilsnack, als „Honorar“ bekam er von Heide Schumann ein Buch mit plattdütschen Texten. Der Wittenberger Karl-Heinz Stüben berichtete humorvoll über seine  Erinnerungen an die Oma und deren Bauernhof.Sehr gern der Einladung nach Sandau gefolgt war die bekannte Kyritzer Plattschnakerin Annemarie Ostermeier, denn sie ist einst in dem Elbestädtchen Aufgewachsen. Der Saal ist ihr von den damaligen Tanzabenden wohlbekannt, berichtete sie. Sie erinnerte an die alten Ostertradi-tionen, als die Mädels vom Wenddorf Osterwasser holten und beim Transport dessen kein Wort verlieren durften. Das machten sich die Jungen zunutze, welche sich hinterm Ellerbusch versteckten und die Mädchen erschreckten. Auch gab  die Kyritzerin die Geschichte vom Schorn-steinfeger zum Besten, welcher die ihm geschenkten Eier beim Radfahren dummerweise unterm Zylinderhut transportierte.Humorvolle Geschichten „up Platt“ las zudem der Havelberger Nis Clason vor, wie jene von den „sechs Richtigen“ oder von der Heirats-Annonce mit einem Foto vom  Trecker.
Heide Schumann wünschte allen Erkrankten baldige Genesung und erinnerte daran, dass vor genau fünf Jahren Erika Rittner, die langjährige Organisatorin der Treffs, im Schützenhaus nach Zeulenroda verabschiedet worden war: „Wo sünd de Joahren bleben?“
Ein nächster Plattdütschtreff wird am 5. April in Quitzöbel stattfinden, die Havelberger sehen sich am 5. Mai in der Kegelbahn wieder.

Letzte Amtshandlung führte nach Havelberg

Text: Frank Ermer
Foto: Frank Ermer
Volksstimme, Fr., 23. März 2018, Seite 19, Elb-Havel-Echo

Heimatverein beschäftigt sich mit Albrecht den Bären

Interessantes zur Gründung der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt durch Albrecht den Bären war ein thema, mit dem sich die Mitglieder des Heimatvereins Havelberg und seine Gäste jüngst befassten.

Dr. Lutz Partenheimer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Geschichte des Mittelalters am Historisch

Siegel von Albrecht dem Bären, Umschrift: ADELBERTUS DI GRATIA BRANDEN-BURGENS MARCHO © Das Bild ist urheberrechtlich geschützt, der Kupferstich aus dem 1600 Jh. befindet sich in Privatbesitz

en Institut der Universität Potsdam, referierte zum Thema „Albrecht der Bär – Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt“.
Neben den vielen bekannten Häuptern der Askanier, ist wohl der Sohn des Grafen Otto von Ballenstedt, Albrecht der Bär der bekannteste. Albrecht ist um 1100 geboren und am 18. November 1170 verstorben. Seine Begräbnisstätte ist nicht 100%tig belegt, die Vermutungen gehen aber davon aus, dass er auf dem Schloss Ballenstedt in einer Gruft beigesetzt ist.
Das gesamte politische und militärische Wirken Albrechts hier abzubilden wäre wohl zu umfangreich, so wollen wir uns auf einige Informationen beschränken.
Pribislaw-Heinrich, bereits zum Christentum konvertiert und Angehöriger der ortsansässigen Hevellerdynastie bestimmt Abrecht den Bären um 1123-25 zu seinen Nachfolger und gleichzeitig erhält sein Sohn Otte die Zauche als Taufgeschenk.
Bei dem von Albrecht angeführten Wendenkreuzzug 1147, drang er weit in den nordöstlichsten Teil des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern vor. Sein Weg führte ihn bis an das Oderhaff. Somit legte er den Grundstein für die Vorherrschaft und den Anspruch auf die Nordmark. Auch sicherte er damit dem Havelberger Bischof die Rückkehr an seinem Sitz. Anselm wird ihm wohl sehr dankbar gewesen sein, die Regentschaft wieder von Ort und Stelle zu führen.
Im Jahre 1150 stirbt der Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich und es folgt, wie abgesprochen, die Übernahme der Brandenburg durch den bereits bestimmten Nachfolger, Markgraf Albrecht den Bären. Im Frühjahr 1157 bricht ein alter Streit wieder aus und der polnische Fürst Jaxa besetzt nach erfolgreichen Bestechungsversuch der Besatzung die Brandenburg. Am 11. Juni 1157 erobert Albrecht der Bär mit Unterstützung des Erzbischof Wichmann die Brandenburg, unter großen, auch persönlichen, Verlusten zurück.
Auf dem Boden der Mark Brandenburg, in Havelberg, fand auch die letzte offizielle Handlung des Askanierfürsten statt. Am 16. August 1170 zelebrierte Erzbischof Wichmann die Domweihe in Havelberg, an der Albrecht im Kreise seiner Söhne teilnahm. Wenige Monate später, am 18. November 1170 verstab Albrecht der Bär. Ob dies in der Mark geschah ist nicht belegt.
„In seiner unbeirrbaren Pflichttreue gegenüber Kaiser und Reich übertraf Albrecht seinen Rivalen (Heinrich den Löwen), auf Italien- und Polenfeldzügen sowie am Königshof bewährte er sich als Stütze …“, schreibt G. Schlenker in „Die Rolle der Askanier und Albrechts des Bären“, S. 17.
Sollte nun das Interesse an Albrecht den Bären geweckt worden sein und der einzelne Leser möchte über ihn und die Gründung der Mark Brandenburg noch mehr erfahren, dann soll an dieser Stelle auf 3 Bücher hingewiesen sein. Alle stammen aus der Feder von Lutz Partenheimer, „Albrecht der Bär – Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentum Anhalt“ – ISBN: 9783412163020, „Die Entstehung der Mark Brandenburg“ – ISBN: 978-3412171063 und „Die Johanniterkomturei Werben in der Altmark zwischen 1160 und 1542“ – ISBN: 978-3936872576.
Der kommende Vortragsabend findet am 15.März 2018 um 18:30 Uhr, im ArtHotel Kiebitzberg statt. Wir starten mit dem ersten Vortrag zur Themenreihe „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs“ und beschäftigen uns hier mit dem Internierungslager in Havelberg von 1914 – 1922. Diese Themenreihe wird in der Herbst-/Wintervortragsreihe 2018/19 mit weiten Vorträgen fortgesetzt.

Fachtagung zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs auf dem Territorium Sachsen-Anhalts

Text und Foto von Frank Ermer
Volksstimme, Mittwoch, 14. März 2018, Seite 18, Elb-Havel-Echo

Fachtagung zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs auf dem Territorium Sachsen-Anhalts

Frank Ermer vom Heimatverein Havelberg e.V. bei seinem Vortrag über das „Kriegs- und Internierungslager HAVELBERG und die Situation in der Stadt, in der Zeit des Ersten Weltkrieges“ Foto: Tobias Bachmann – LHBSA – Privatarchiv Frank Ermer

  Am 3. März 2018 fand in der Aula des Domgymnasiums Merseburg die Fachtagung zum Thema „Die Kriegsgefangenen-lager des Ersten Weltkriegs auf dem Territorium Sachsen-Anhalts“ statt. Das Grußwort zu Beginn der Veranstaltung sprach der Präsident der Landesheimat-bundes Sachsen-Anhalt e.V. Prof. Dr. Konrad Breitenborn. Der Tagungsort wurde mit Bedacht ausgewählt, da die Sonderaus-stellung „Heimat im Krieg 1914/18“ derzeitig im Kultur-historischen Museum Schloss Merseburg zu sehen ist. Im Laufe des Jahres, wird sie noch an weiteren Orten wie Zeitz und Tangermünde ausgestellt. Abschließend ist sie ab dem 01.12.2018 im Prignitz-Museum Havelberg zu sehen.
Über das Leben und Schicksal der Gefangenen, ist von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur wenig bekannt. Fundierte Erkenntnisse liegen auf dem Territorium von Sachsen-Anhalt bisher nur für das Kriegsgefangenenlager in Quedlinburg vor. Zahlreiche neue Hintergründe und Erkenntnisse boten auf der interdisziplinär angelegten Tagung einen breiten Überblick, über den derzeitigen Stand der Forschungsergebnisse für die einzelnen Kriegsgefangenenlager auf dem heutigen Territorium von Sachsen-Anhalt. Die Beiträge der Tagung und die weiterführende Forschungsarbeit und deren Ergebnisse werden in einem Buch publiziert. Die Leitung für dieses  Projekt hat der Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e.V. in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, dem Merseburger Altstadtverein e.V., den Dozenten Jan Stenzel – Kulturhistorisches Museum Merseburg, PD Dr. Thomas Wozniak – Eberhard Karls Universität Tübingen, Volker Demuth – Universitetet i Stavanger, Dr. Lutz Miehe – Ministerium für Inneres und Sport Sachsen-Anhalt, Frank Ermer – Heimatverein Havelberg e.V., Dr. Marie-Therese Mäder, Christian Drobe – Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr.  Zorica Puškar, Thomas Gallien Humboldt-Universität zu Berlin, Florian Thomas, John Palatini – Pflug e.V. Wittenberg, Simone Habendorf – Stadtarchiv Stendal,  Agnes-Almuth Griesbach – Museum der Stadt Zerbst/Anhalt und zahlreichen weiteren Institutionen und Vereinen die hier nicht weiter genannt sind.
Welche Hintergründe bildeten die Wiederaufnahme dieses Themas für eine Fachtagung. Während des Ersten Weltkriegs gerieten Zwischen 6,6 und 8 Millionen Soldaten in Gefangenschaft. Die Zahl der Gefangene, die sich 1918 noch auf den Gebiet des Deutschen Reiches befanden belief sich auf 2,4 Millionen, davon wurden über 180.000 auf dem heutigen Territorium Sachsen-Anhalts. Nach heutiger Kenntnis wissen wir, dass die Gefangenen sich aus 13 unterschiedliche Staaten rekrutierten. Zur Unterbringung mussten 1914 in größter Eile zwölf Lager eingerichtet werden, drei für Offiziere (Halle, Magdeburg und Burg) und neun für Mannschaften und Zivilisten (Kleinwittenberg, Merseburg, Altengrabow, Zerbst, Quedlinburg, Gardelegen, Stendal, Salzwedel und Havelberg). Allein im Merseburger Mannschaftslager wurden zwischen 1914 und 1919 über 40.000 Soldaten aus Russland, Frankreich und England gefangen gehalten. Die Situation des Havelberger Lagers änderte sich bereits im ersten Kriegsjahr, im November 1914, als das Generalkommando die Umwandlung des Kriegsgefangenenlagers in ein Internierungslager verfügte. Die Lager in Havelberg hatten eine Aufnahmekapazität von 10.000 Gefangenen. Gefangene aus 8 Nationen sind hier nachweisbar. Die größte Anzahl kam aus Russland, aber auch Engländer, Belgier, Franzosen, Italiener, Inder, Algerier und Marokkaner waren hier interniert.
Die Unterbringung und Versorgung hunderttausender Kriegsgefangener stelle das Deutsche Reich, aber auch die Kriegsgegner vor eine schier unlösbare Aufgabe, auf die sie nicht vorbereitet waren, da man auf einen Blitzkrieg hoffte.
Die hygienische Situation in den Lagern war vor allem zu Beginn des Krieges eine Herausforderung, die zu bewältigen gab. Auch das Havelberger Lager wurde von einer verheerenden Epidemie Flecktyphus heimgesucht, vielen Opfer waren hier zu beklagen.
In den Lagern entwickelte sich auch ein mitunter faszinierendes kulturelles Leben, welches auf der Tatsache beruht, dass so viele unterschiedliche Kulturen und Völkergruppen auf so engen Raum zusammenleben mussten. In vielen Museen des Landes sind heute anhand von Erinnerungen und Zeitzeugen, wie z.B. Zeichnungen, Gemälden, Grafiken, Fotografien und Bastelarbeiten aus Stroh zu besichtigen und bilden heute vielerorts die Grundlage für die nun wieder angestoßen Aufarbeitung des vor 100 Jahren geschehenen.
In unzählige Arbeitskommandos aufgeteilt, befanden sich Kriegsgefangene in nahezu jedem Winkel und jeder Ecke des Landes. Die Landwirtschaft war für die Gefangenen das größte Betätigungsfeld, aber auch in der Industrie wurden sie eingesetzt. So z.B. für den Aufbau der Leunawerke, des Reichsstickstoffwerkes bei Wittenberg und in der Tonindustrie im Havelländischen Raum. Die Kriegsgefangenen waren eine bedeutende und unverzichtbare Ressource, da die eigenen kämpfenden Männer, für das Kaiserreich an der Front standen. So bildete sich auch eine eigene Front im Heimatland, die sich mit dem stetig verschärfenden Mangel an Lebensmittel und Dingen des täglichen Bedarfs, der Erfahrung von Verlust und Trauer der Angehörigen und der zunehmenden Präsenz von Kriegsinvaliden auseinander setzen musste.
Einige Tausend von ihnen sind in Gefangenschaft verstorben, so allein in Merseburg ca. 800, in Wittenberg ca. 900 und in Havelberg ca. 740. Ihre Kameraden errichteten ihnen Gedenksteine auf den Grabfeldern, die heute immer noch an das Geschehen vor 100 Jahren erinnern.
Der Vortrag wird im Zuge der Wintervortragsreihe am 15.03.2018 | 18:30 Uhr im ArtHotel Kiebitzberg noch einmal gehalten.

 

Streitbarer Zeitgenosse hinterlässt der Stadt Visionen zu Verschönerung

Text: Andrea Schröder (ans)
Archivfoto: Ingo Freihorst
Volksstimme, 30. Dezember 2017, Seite 19, Elb-Havel-Echo

Zum Tod der Leiterin der Plattdeutschen Singegruppe des Havelberger Heimatvereins
Herbert Stertz ist am 8. Dezember verstorben / Er war Lehrer, Denkmalpfleger, Heimatforscher, Autor, Kunstliebhaber, Wasser-sportler und anderes mehr.

Herbert Stertz an seinem 90. Ge-burtstag in seinem Arbeitszimmer. Morgen wäre er 93 Jahre alt ge-worden. Archivfoto: Ingo Freihorst

Havelberg Der letzte Tag des Jahres war sein Geburtstag. Morgen wäre er 93 Jahre alt geworden. Doch der Havelberger Herbert Stertz ist am 8. Dezember verstorben. Nicht nur der Heimatverein, den er 1991 aus der Taufe hob und den er bis 1999 als Vorsitzender leitete, trauert um einen Menschen, der seiner Heimatstadt Havelberg viel gegeben hat.
Geboren wurde er am 31. Dezember 1924 in Hamburg. Sein Vater, der Strommeister Wilhelm Stertz, zog sieben Jahre später mit seiner Familie vom Elbestrom in die Domstadt an der Havel. „Seit jener Zeit ist Herbert Stertz ein richtiger Havelberger geworden. Der Krieg trieb ihn für einige Jahre noch einmal fort. Er, der ein Notabitur in der Tasche hatte, sollte als 19-Jähriger den Vormarsch der Roten Armee stoppen – ohne Erfolg, wie uns die Geschichte gelehrt hat“, schreibt der heutige Vorsitzende des Heimatvereins Frank Ermer im Nachruf.
Im Herbst 1945 stand der als vermisst geltende junge Mann im langen Russenmantel, mit kahlgeschorenem Kopf und in Holzpantinen nach einjähriger Gefangenschaft ausgezehrt wieder vor der elterlichen Wohnung. Am 1. Oktober 1945 trat er in der Einheitsschule Havelberg sein Neulehreramt an. Es folgten ein Fernstudium und 1958 ein einjähriges Studium an der Pädagogischen Hochschule in Erfurt. Seine drei Kinder waren zu dieser Zeit bereits geboren. Nach seiner Lehrbefähigung für Deutsch legte er ein weiteres Diplom ab.

Viele  Ehrenämter

Gern hat Herbert Stertz seine Heimatstadt gezeichnet. Diese Ansicht von der Steintorbrücke und dem Dom ist im dritten Teil seiner Trilogie „Havelschiffahrt“ enthalten.

 

Neben der beruflichen Tätigkeit als Lehrer und Fachberater bekleidete er viele Ehrenämter. So baute er bereits 1948 in Havelberg die Sektion Rudern wieder auf, drei Jahre später den Kanusport. Als der Wassersportverein im Jahr 2011 60 Jahre Kanu in Havelberg feierte, wurde er als derjenige gewürdigt, der diesen Sport in der Domstadt wieder zum Leben erweckt hatte.  Seine Schüler profitierten übrigens von seiner Liebe zum Wassersport. Gleich nach dem Krieg organisierte er eine besondere Ferienbetreuung – mit Camping auf einer Insel bei Jederitz und Ausgrabungen am slawischen Burgwall auf der Havelwiese.
Ein weiteres Hobby waren das Zeichnen und Malen. Als Fachberater lud er in den Sommerferien Kollegen auch aus umliegenden Kreisen zu einwöchigen Kursen mit dem Havelberger Maler Kurt Henschel ein, beide waren sehr gute Freunde.
Neben der ehrenamtlichen Arbeit für Museum, Heimatgeschichte, Denkmalpflege und redaktionelle Tätigkeit nahm er sich aber auch die Zeit, ein farbenfrohes Aquarell oder eine schnelle Federzeichnung – meist mit Motiven der heimatlichen Landschaft – aufs Papier zu bringen. „Früher, in der DDR, nannte man dies Kulturarbeit. Zu dieser Zeit organisierte er Zeichenwettbewerbe und Ausstellungen. Dies hatte auch zur Folge, dass er 1961 ehrenamtlicher Vorsitzender der Ortsgruppe des Kulturbundes wurde. Die traditionellen Havelberger Domhofkonzerte mit den Leipziger Gewandhaus-Musikern wurden durch ihn im Jahre 1970 mit ins Leben gerufen. Zwölf Jahre lang betreute er als Redakteur das Heimatheft ‚Zwischen Havel und Elbe‘ und davor arbeitete er bereits am Heimatheft ‚Das Elb-Havel-Land‘ mit“, erinnert Frank Ermer und berichtet: „Herbert Stertz ging den Spuren des Romantikers Eduard Mörike in unserer Heimat nach und denen des französischen Lyrikers André Frénaud. Er schrieb über Schifffahrt und Schiffbau und publizierte bereits 1966 eine interessante Arbeit über ‚Havelkahn und Havelfischer.‘“
Über 40 Jahre arbeitete er als Lehrer und seine ehemaligen Schüler nennen ihn noch heute liebevoll „Papa Stertz“. Er versuchte, ihnen alles Schöne nahezubringen: Kunst und Literatur, Musik und Architektur und vor allem die Liebe zur Heimat.

Lebenswerk gekrönt

1991 war er Mitbegründer des Havelberger Heimatvereins mit der Plattdeutschgruppe, in dessen Auftrag er nun als Rentner unterwegs war. Viel zu oft übrigens, wie seine Frau meinte. Er kümmerte sich weiterhin um Heimatgeschichte und Naturschutz, kämpfte für die Havelberger Spülinsel und den Tourismus, organisierte Heimattreffen, Seminare, Exkursionen und hatte sich der Denkmalpflege verschrieben. Später war er Ehrenvorsitzender. Auf einer Tagung des Altmärkischen Heimatbundes sagte er einmal: „Wir Prignitzer werden nie Altmärker werden.
An vielen redaktionellen Arbeiten und Publikationen hat Herbert Stertz einen erheblichen Anteil. Sein Lebenswerk krönte der Nachkomme einer Schifferfamilie – sein Großvater war Schiffseigner – mit seiner Trilogie zur „Havelschifffahrt“ unter Segel und unter Dampf, die zwischen 2005 und 2008 erschienen ist.
Für die Volksstimme hat Herbert Stertz ebenfalls etliche Beiträge geschrieben. Auch Nachrufe und Erinnerungen an Menschen, die sich wie er für ihre Heimatstadt eingesetzt und somit Geschichte geschrieben haben. Erinnert sei etwa an Waldtraut und Kurt Henschel, Frida Steffen, Gertrud Pohland, Edgar Steiner und Fred Haverland. Nun ist auch er tot. „Wir werden seinen fachlichen Rat und seine Kompetenz auf dem weiteren Weg zur Gestaltung unserer Heimatstadt sehr vermissen. Wir werden aber der Vision von Herbert Stertz zur Gestaltung einer schöneren Heimatstadt weiter folgen und uns für die Verwirklichung stark machen“, verspricht der Vorsitzende im Namen des Heimatvereins.