Eine Reise weit zurück in die Vergangenheit

Text von (Lutz Partenheimer u. Frank Ermer)
Volksstimme, 27. November 2015, Seite 19 – Elb-Havel-Echo

Zuhörer erleben im ArtHotel Kiebitzberg „600 Jahre Herrschaftzantritt der Hohenzollern in Brandenburg“

Havelberg Zahlreiche Gäste, unter anderem auch aus Tan­germünde und Stendal, interessierten sich vor einigen Tagen für den vom Havelberger Heimatverein organisierten Vortrag von Dr. Lutz Parten­ heimer vom Historischen In­ stitut der Universität Potsdam im ArtHotel Kiebitzberg. Der Redner versetzte die Zuhörer mit seiner rhetorischen Ge­wandtheit in das 15. Jahrhun­dert zurück.
Vorangestellt war ein klei­ner Exkurs in die Zeit vom 12. bis zum 14.Jahrhundert . Dabei ging es zunächst um den Gründer der Mark Brandenburg, Albrecht den Bären (um 1100 bis 1170) aus dem Hause der aus der Ostharzregion stammenden Askanier und seine Nachfol­ger. Nachdem diese erste bran­denburgische Markgrafendynastie 1320 ausge-storben war, verlieh der damalige deutsche König Ludwig der Bayer aus dem Geschlecht der Wittelsbacher Brandenburg 1323 seinem Sohn. Diesem folgten dann noch zwei Brüder als Mark­ grafen von Brandenburg. Dem dritten Wittelsbacher nahm der Römische Kaiser Karl IV. aus dem Hause der Luxem­burger, der zugleich deutscher und böhmischer König war, die Mark Brandenburg 1373 unter Androhung militärischer Gewalt und gegen große Entschädigungen ab. Karl gab das Land formal an seinen unmündigen Sohn Sigismund, regierte es aber selbst. Als der Kaiser 1378 starb, war Sigismund im Al­ter von zehn Jahren Markgraf und Kurfürst von Brandenburg. 1382 verließ der Junge die Mark, um – wie vom Vater geplant – durch Heirat König von Ungarn·zu werden, was 1387 gelang.

Verworrene Lage

Dr. Lutz Partenheimer verstand es, das Publikum bei seinem Vortrag im ArtHotel zu fesseln. Foto: Frank Ermer

Dr. Lutz Partenheimer verstand es, das Publikum bei seinem Vortrag im ArtHotel zu fesseln.                                                                      Foto: Frank Ermer

1388 verpfändete  Sigismund Bran-denburg an seinen Vetter Markgraf Jobst von Mähren, weil er mit dem Geld die unga­rischen Adligen zur Anerkennung ihres neuen Herrschers bewegen wollte. Da Sigismund das Land nicht wieder auslöste, belehnte dessen Bruder, der deutsche König Wenzel, Jobst 1397 mit der Mark.
Doch auch nun erschien Jobst selten in Brandenburg, dass er durch sogenannte Hauptleute verwalten ließ. Nicht wenige märkische Ad­lige nutzten diese verworrene Lage, um Dörfer zu plündern, Warenzüge der Kaufleute zu überfallen, den Städten Vieh­herden zu rauben und Fehden gegen benachbarte Fürsten wie den Erzbischof von Magdeburg und den Herzog von Sachsen (Wittenberg) zu führen. Dabei taten sich besonders die Brüder Johann und Dietrich von Quitzow (bei Perleberg) hervor. Sie profitierten von den ständigen finanziellen Schwierig­ keiten Jobsts, der ihnen Burgen und sogar ganze Städte verpfändete und verkaufte. Schließlich waren unter an­ derem Rathenow, Strausberg, Bötzow (heute Oranienburg), (Berlin-)Köpenick, Saarmund (bei Potsdam), Friesack, Plaue (bei Brandenburg an der Havel) sowie Beuthen (bei Trebbin) in der Hand derer von Quitzow.
Durch Jobsts Tod im Januar 1411 fiel Brandenburg wieder an seinen Vetter Sigismund, der die Vertreter der märkischen Geistlichkeit, des Adels und der Städte sogleich nach Ofen (heute der Stadtteil Buda von Budapest) bestellte, wo er als König von Ungarn residierte. Dort sollten sie ihrem neuen Markgrafen huldigen . Vom Adel, über dessen Raubzüge sich bei der Gelegenheit besonders die Gesandten der brandenburgischen Städte bei Sigismund beklagten, erschien kaum jemand . Der Luxembur­ger trug seit 1410 neben der ungarischen auch die deutsche Krone. Deswegen konnte er sich nicht selbst um die Mark kümmern. Daher setzte Sigismund  am  8. Juli 1411 einen Schwager  und langjährigen Vertrauten – den Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Hause Ho-henzollern – als Verweser und Hauptmann der Mark Brandenburg ein.
1412 erschien Friedrich  mit einem fränkischen Gefolge im Brandenburgischen und nahm die Huldigung der Städte sowie der Bischöfe von Brandenburg und Havelberg entgegen. Auch immer mehr Adlige erkannten ihn an, doch die Quitzows und ihr Anhang blieben bei ihrer Ablehnung der neuen Herrschaft und bereiteten sich auf einen Kampf vor. Vergeblich forderte sie Friedrich zur Herausgabe der Städte und Burgen auf, die sie von Markgraf Jobst erhalten hatten. Zur Jahreswende 1412/13 lieh sich der Hohenzoller daher vom Deut­schen Orden, dessen Hochmeister auf der Marienburg bei Danzig saß, eine der damals völlig neuen Kanonen, die man in Brandenburg erstmals gegen Ende des 14. Jahr-hunderts kennengelernt hatte.

„Faule Grete“

Sie könnte bereits im April 1413 bei der Einnahme der Burg Trebbin verwendet worden sein. Die Belagerung dauerte nur zwei Tage. Die damaligen Kanonen waren aus Metall­ stäben gebildete Rohre, die durch darüber gezogene Rin­ge aus dem gleichen Material zusammengehalten wurden, sogenannte Stabringgeschütze. Auch gegossene Stücke, zum Beispiel aus Kirchenglocken, stellte man her. Die Geschütze hießen in den schriftlichen Quellen dieser Zeit „Büchsen“ oder „Steinbüchsen“. Sie ver­schossen Steinkugeln und konnten ein Kaliber bis zu 80 Zentimetern besitzen.
Von Anfang Februar bis in den März 1414 belagerten der Burggraf und seine verbünde-ten, der Erzbischof von Magdeburg und der Herzog von Sachsen (Wittenberg), gleich­ zeitig die Quitzow-Burgen Frie­sack, Plaue und Beuthen sowie die Burg Golzow (südlich von Brandenburg an der Havel), auf der Wichard von Rochow, ein Anhänger der Quitzows, saß. Die größte hierbei eingesetz­te Kanone war die seit dem 18. Jahrhundert so genannte „Faule Grete“, von der ein Chronist dieser Zeit schrieb, dass man sie von Landgraf Friedrich dem Friedfertigen von Thüringen geliehen hate. Allein für das Fuhrwerk mit dem Geschütz­rohr waren 24 Pferde notwendig, insgesamt 30 Wagen mit 150 Pferden für Pulver, Kugeln sowie Bedienungspersonal und Gerätschaften. Die Kanone wog etwa 4,5 Tonnen, besaß eine Länge von etwa 2;5 Metern und verschoss mit 26 Pfund Pulver Steinkugeln mit einem halben Meter Durchmesser und drei Zentnern Gewicht. Die Schät­zungen der Artilleriehistoriker reichen von ein bis zehn Schuss am Tag.
Die Burg Friesack fiel am 10. Februar 1414, am 26. Februar kapitulierte die Burg Plaue nach dem Beschuss mit der „Faulen Grete“. Daraufhin ergaben sich auch die Burgen Golzow und Beuthen.
Nun ritt Burggraf Friedrich nach Tangermünde, wo er am 20. März 1414 einen Landfrie-den für die Mark erließ. Er war der erste Regent Brandenburgs, der mit solcher Härte ge-gen aufständische Ritter vorging. Am 30. April 1415 erhob König Sigismund daraufhin den bis­ herigen Hauptmann und Ver­weser der Mark auf dem Konzil von Konstanz zum Mark-grafen und Kurfürsten von Brandenburg.
Wer Interesse an dem gesamten Vortrag hat, kann diesen im Buch von Lutz Partenhei-mer und Andre Stellma­ cher „Die Unterwerfung der Quitzows und der Beginn der Hohen-zollernherrschaft über Brandenburg“ – ISBN 978-3- 88372-099-9 (Broschur) / 978- 3-88372-103-3 (Festeinband ) -, erschienen im Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, nachlesen.
Der Havelberger Heimatverein möchte sich auf diesem Weg bei Dr. Lutz Partenheimer für den mitreißenden Vortrag im ArtHotel Kiebitzberg bedanken.

Unterwerfung der Quitzows

Text von (pm/rh)
Genaral-Anzeiger, 25. November 2015, Seite 6 – Lokales

„600 Jahre Herrschaftsantritt der Hohenzollern in Brandenburg“

Der Heimatverein Havelberg setzte kürzlich mit dem mitreißendem Referat „600 Jahre Herrschaftsantritt der Hohenzollern in Brandenburg“ von Dr. Lutz Partenheimer, dem dafür herzlichst gedankt wird, die Herbst-Winter-Vortragsreihe fort.
Auch zahlreiche Gäste, u.a. aus Tangermünde und Stendal kamen zu den sehr interessanten und kurzweiligen Ausführungen. Dr. Lutz Partenheimer vom Historischen Institut der Universität Potsdam versetzte die anwesenden Zuhörer mit rhetorischer Gewandtheit in das 15. Jahrhundert zurück.
Vorangestellt war ein kleiner Exkurs in die Zeit vom 12. bis zum 14. Jh. Dabei ging es um den Gründer der Mark Brandenburg, Albrecht den Bären (um 1100 – 1170) aus dem Hause der aus der Ostharzregion stammenden Askanier und seine Nachfolger. Nachdem diese erste brandenburgische Markgrafendynastie 1320 ausgestorben war, verlieh der damalige deutsche König Ludwig der Bayer aus dem Geschlecht der Wittelsbacher Brandenburg 1323 seinem Sohn. Diesem folgten dann noch zwei Brüder als Markgrafen von Brandenburg. Dem dritten Wittelsbacher nahm der Römische Kaiser Karl IV. aus dem Hause der Luxemburger, der zugleich deutscher und böhmischer König war, die Mark Brandenburg 1373 unter Androhung militärischer Gewalt und gegen große Entschädigungen ab. Karl gab das Land formal an seinen unmündigen Sohn Sigismund, regierte es aber selbst. Als der Kaiser 1378 starb, war Sigismund im Alter von zehn Jahren Markgraf und Kurfürst von Brandenburg. 1382 verließ der Junge die Mark, um – wie vom Vater geplant – durch Heirat König von Ungarn zu werden, was gelang.
1388 verpfändete Sigismund Brandenburg an seinen Vetter Markgraf Jobst von Mähren, weil er mit dem Geld die ungarischen Adligen zur Anerkennung ihres neuen Herrschers bewegen wollte. Da Sigismund das Land nicht wieder auslöste, belehnte dessen Bruder, der deutsche König Wenzel, Jobst 1397 mit der Mark.
Doch auch nun erschien Jobst selten in Brandenburg, dass er durch Hauptleute verwalten ließ. Nicht wenige märkische Adlige nutzten diese verworrene Lage, um Dörfer zu plündern, Warenzüge der Kaufleute zu überfallen, den Städten Viehherden zu rauben und Fehden gegen benachbarte Fürsten wie den Erzbischof von Magdeburg und den Herzog von Sachsen (Wittenberg) zu führen. Dabei taten sich besonders die Brüder Johann und Dietrich v. Quitzow (bei Perleberg) hervor. Sie profitierten von den ständigen finanziellen Schwierigkeiten Jobsts, der ihnen Burgen und sogar ganze Städte verpfändete und verkaufte. Schließlich waren u.a. Rathenow, Strausberg, Bötzow (heute Oranienburg), (Berlin-)Köpenick, Saarmund (bei Potsdam), Friesack, Plaue (bei Brandenburg an der Havel) sowie Beuthen (bei Trebbin) in der Hand derer v. Quitzow.
Durch Jobsts Tod im Januar 1411 fiel Brandenburg wieder an seinen Vetter Sigismund, der die Vertreter der märkischen Geistlichkeit, des Adels und der Städte sogleich nach Ofen (heute der Stadtteil Buda von Budapest) bestellte, wo er als König von Ungarn residierte. Dort sollten sie ihrem neuen Markgrafen huldigen. Vom Adel, über dessen Raubzüge sich bei der Gelegenheit besonders die Gesandten der brandenburgischen Städte bei Sigismund beklagten, erschien kaum jemand. Der Luxemburger trug seit 1410 neben der ungarischen auch die deutsche Krone. Deswegen konnte er sich nicht selbst um die Mark kümmern. Daher setzte Sigismund seinen Schwager und langjährigen Vertrauten – den Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern – als Verweser und Hauptmann der Mark
Brandenburg ein.
1412 erschien Friedrich mit einem fränkischen Gefolge im Brandenburgischen und nahm die Huldigung der Städte sowie der Bischöfe von Brandenburg und Havelberg entgegen. Auch immer mehr Adlige erkannten ihn an, doch die Quitzows und ihr Anhang blieben bei ihrer Ablehnung der neuen Herrschaft und bereiteten sich auf einen Kampf vor. Vergeblich
forderte sie Friedrich zur Herausgabe der Städte und Burgen auf, die sie von Markgraf Jobst erhalten hatten. Zur Jahreswende 1412/13 lieh sich der Hohenzoller daher vom Deutschen Orden eine der damals völlig neuen Kanonen, die man in Brandenburg erstmals gegen Ende des 14. Jh. kennengelernt hatte.
Sie könnte bereits 1413 bei der Einnahme der Burg Trebbin verwendet worden sein. Die Belagerung dauerte nur zwei Tage. Die damaligen Kanonen waren aus Metallstäben gebildete Rohre, die durch darüber gezogene Ringe aus dem gleichen Material zusammengehalten wurden. Auch gegossene Stücke, z.B. aus Kirchenglocken,
stellte man her. Die Geschütze hießen in den schriftlichen Quellen dieser Zeit „Büchsen“ oder „Steinbüchsen“. Sie verschossen Steinkugeln und besitzten ein Kaliber bis zu 80 cm.
Von Anfang Februar bis in den März 1414 belagerten der Burggraf und seine Verbündeten, der Erzbischof von Magdeburg und der Herzog von Sachsen gleichzeitig die Quitzow-Burgen Friesack, Plaue und Beuthen sowie die Burg Golzow (südlich von Brandenburg/Havel), auf der Wichard von Rochow, ein Anhänger der Quitzows, saß. Die größte hierbei eingesetzte Kanone war die seit dem 18. Jh. so genannte „Faule Grete“, von der ein Chronist dieser Zeit schrieb, dass man sie von Landgraf Friedrich dem Friedfertigen von Thüringen geliehen hatte. Allein für das Fuhrwerk mit dem Geschützrohr waren 24 Pferde notwendig, insgesamt 30 Wagen mit 150 Pferden für Pulver, Kugeln sowie Bedienungspersonal und Gerätschaften. Die Kanone wog etwa 4,5 Tonnen, besaß eine Länge von ca. 2,5 Metern und verschoss mit 26 Pfund Pulver Steinkugeln mit einem halben Meter Durchmesser und drei Zentnern Gewicht. Die Schätzungen der Artilleriehistoriker reichen von 1-10 Schuss am Tag.
Die Burg Friesack fiel am 10. Februar 1414, am 26. Februar kapitulierte die Burg Plaue nach dem Beschuss mit der “Faulen Grete“. Daraufhin ergaben sich auch die Burgen

Dr. Lutz Partenheimer bei der Erläuterung, warum Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg den Feldzug gegen die Quitzows im Winter führte.       Foto: Frank Ermer

Dr. Lutz Partenheimer bei der Erläuterung, warum Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg den Feldzug gegen die Quitzows im Winter führte.                                                                Foto: Frank Ermer

Golzow und Beuthen. Nun ritt Burg
graf Friedrich nach Tangermünde, wo er am 20. März 1414 einen Landfrieden für die Mark erließ. Er war der erste Regent Brandenburgs, der mit solcher Härte gegen aufständische Ritter vorging. Am 30. April 1415 erhob König Sigismund den bisherigen Hauptmann und
Verweser der Mark auf dem Konzil von Konstanz zum Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Wer Interesse am gesamten
Vortrag hat, kann diesen im Buch von Lutz Partenheimer und André Stellmacher „Die Unterwerfung der Quitzows und der Beginn der Hohenzollernherrschaft über Brandenburg“ nachlesen.