Unterwerfung der Quitzows

Text von (pm/rh)
Genaral-Anzeiger, 25. November 2015, Seite 6 – Lokales

„600 Jahre Herrschaftsantritt der Hohenzollern in Brandenburg“

Der Heimatverein Havelberg setzte kürzlich mit dem mitreißendem Referat „600 Jahre Herrschaftsantritt der Hohenzollern in Brandenburg“ von Dr. Lutz Partenheimer, dem dafür herzlichst gedankt wird, die Herbst-Winter-Vortragsreihe fort.
Auch zahlreiche Gäste, u.a. aus Tangermünde und Stendal kamen zu den sehr interessanten und kurzweiligen Ausführungen. Dr. Lutz Partenheimer vom Historischen Institut der Universität Potsdam versetzte die anwesenden Zuhörer mit rhetorischer Gewandtheit in das 15. Jahrhundert zurück.
Vorangestellt war ein kleiner Exkurs in die Zeit vom 12. bis zum 14. Jh. Dabei ging es um den Gründer der Mark Brandenburg, Albrecht den Bären (um 1100 – 1170) aus dem Hause der aus der Ostharzregion stammenden Askanier und seine Nachfolger. Nachdem diese erste brandenburgische Markgrafendynastie 1320 ausgestorben war, verlieh der damalige deutsche König Ludwig der Bayer aus dem Geschlecht der Wittelsbacher Brandenburg 1323 seinem Sohn. Diesem folgten dann noch zwei Brüder als Markgrafen von Brandenburg. Dem dritten Wittelsbacher nahm der Römische Kaiser Karl IV. aus dem Hause der Luxemburger, der zugleich deutscher und böhmischer König war, die Mark Brandenburg 1373 unter Androhung militärischer Gewalt und gegen große Entschädigungen ab. Karl gab das Land formal an seinen unmündigen Sohn Sigismund, regierte es aber selbst. Als der Kaiser 1378 starb, war Sigismund im Alter von zehn Jahren Markgraf und Kurfürst von Brandenburg. 1382 verließ der Junge die Mark, um – wie vom Vater geplant – durch Heirat König von Ungarn zu werden, was gelang.
1388 verpfändete Sigismund Brandenburg an seinen Vetter Markgraf Jobst von Mähren, weil er mit dem Geld die ungarischen Adligen zur Anerkennung ihres neuen Herrschers bewegen wollte. Da Sigismund das Land nicht wieder auslöste, belehnte dessen Bruder, der deutsche König Wenzel, Jobst 1397 mit der Mark.
Doch auch nun erschien Jobst selten in Brandenburg, dass er durch Hauptleute verwalten ließ. Nicht wenige märkische Adlige nutzten diese verworrene Lage, um Dörfer zu plündern, Warenzüge der Kaufleute zu überfallen, den Städten Viehherden zu rauben und Fehden gegen benachbarte Fürsten wie den Erzbischof von Magdeburg und den Herzog von Sachsen (Wittenberg) zu führen. Dabei taten sich besonders die Brüder Johann und Dietrich v. Quitzow (bei Perleberg) hervor. Sie profitierten von den ständigen finanziellen Schwierigkeiten Jobsts, der ihnen Burgen und sogar ganze Städte verpfändete und verkaufte. Schließlich waren u.a. Rathenow, Strausberg, Bötzow (heute Oranienburg), (Berlin-)Köpenick, Saarmund (bei Potsdam), Friesack, Plaue (bei Brandenburg an der Havel) sowie Beuthen (bei Trebbin) in der Hand derer v. Quitzow.
Durch Jobsts Tod im Januar 1411 fiel Brandenburg wieder an seinen Vetter Sigismund, der die Vertreter der märkischen Geistlichkeit, des Adels und der Städte sogleich nach Ofen (heute der Stadtteil Buda von Budapest) bestellte, wo er als König von Ungarn residierte. Dort sollten sie ihrem neuen Markgrafen huldigen. Vom Adel, über dessen Raubzüge sich bei der Gelegenheit besonders die Gesandten der brandenburgischen Städte bei Sigismund beklagten, erschien kaum jemand. Der Luxemburger trug seit 1410 neben der ungarischen auch die deutsche Krone. Deswegen konnte er sich nicht selbst um die Mark kümmern. Daher setzte Sigismund seinen Schwager und langjährigen Vertrauten – den Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern – als Verweser und Hauptmann der Mark
Brandenburg ein.
1412 erschien Friedrich mit einem fränkischen Gefolge im Brandenburgischen und nahm die Huldigung der Städte sowie der Bischöfe von Brandenburg und Havelberg entgegen. Auch immer mehr Adlige erkannten ihn an, doch die Quitzows und ihr Anhang blieben bei ihrer Ablehnung der neuen Herrschaft und bereiteten sich auf einen Kampf vor. Vergeblich
forderte sie Friedrich zur Herausgabe der Städte und Burgen auf, die sie von Markgraf Jobst erhalten hatten. Zur Jahreswende 1412/13 lieh sich der Hohenzoller daher vom Deutschen Orden eine der damals völlig neuen Kanonen, die man in Brandenburg erstmals gegen Ende des 14. Jh. kennengelernt hatte.
Sie könnte bereits 1413 bei der Einnahme der Burg Trebbin verwendet worden sein. Die Belagerung dauerte nur zwei Tage. Die damaligen Kanonen waren aus Metallstäben gebildete Rohre, die durch darüber gezogene Ringe aus dem gleichen Material zusammengehalten wurden. Auch gegossene Stücke, z.B. aus Kirchenglocken,
stellte man her. Die Geschütze hießen in den schriftlichen Quellen dieser Zeit „Büchsen“ oder „Steinbüchsen“. Sie verschossen Steinkugeln und besitzten ein Kaliber bis zu 80 cm.
Von Anfang Februar bis in den März 1414 belagerten der Burggraf und seine Verbündeten, der Erzbischof von Magdeburg und der Herzog von Sachsen gleichzeitig die Quitzow-Burgen Friesack, Plaue und Beuthen sowie die Burg Golzow (südlich von Brandenburg/Havel), auf der Wichard von Rochow, ein Anhänger der Quitzows, saß. Die größte hierbei eingesetzte Kanone war die seit dem 18. Jh. so genannte „Faule Grete“, von der ein Chronist dieser Zeit schrieb, dass man sie von Landgraf Friedrich dem Friedfertigen von Thüringen geliehen hatte. Allein für das Fuhrwerk mit dem Geschützrohr waren 24 Pferde notwendig, insgesamt 30 Wagen mit 150 Pferden für Pulver, Kugeln sowie Bedienungspersonal und Gerätschaften. Die Kanone wog etwa 4,5 Tonnen, besaß eine Länge von ca. 2,5 Metern und verschoss mit 26 Pfund Pulver Steinkugeln mit einem halben Meter Durchmesser und drei Zentnern Gewicht. Die Schätzungen der Artilleriehistoriker reichen von 1-10 Schuss am Tag.
Die Burg Friesack fiel am 10. Februar 1414, am 26. Februar kapitulierte die Burg Plaue nach dem Beschuss mit der “Faulen Grete“. Daraufhin ergaben sich auch die Burgen

Dr. Lutz Partenheimer bei der Erläuterung, warum Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg den Feldzug gegen die Quitzows im Winter führte.       Foto: Frank Ermer

Dr. Lutz Partenheimer bei der Erläuterung, warum Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg den Feldzug gegen die Quitzows im Winter führte.                                                                Foto: Frank Ermer

Golzow und Beuthen. Nun ritt Burg
graf Friedrich nach Tangermünde, wo er am 20. März 1414 einen Landfrieden für die Mark erließ. Er war der erste Regent Brandenburgs, der mit solcher Härte gegen aufständische Ritter vorging. Am 30. April 1415 erhob König Sigismund den bisherigen Hauptmann und
Verweser der Mark auf dem Konzil von Konstanz zum Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Wer Interesse am gesamten
Vortrag hat, kann diesen im Buch von Lutz Partenheimer und André Stellmacher „Die Unterwerfung der Quitzows und der Beginn der Hohenzollernherrschaft über Brandenburg“ nachlesen.