Interessantes über die „Entstehung der Prignitz bis 1415“

Text und Bild von Frank Ermer
Volksstimme, 09. November 2016, Seite 19, Elb-Havel-Echo

Neue Wintervortragsreihe des Havelberger Heimatvereins ist mit vielen Zuhörern gestartet / Fortsetzung folgt am 19. November

Uwe Czubatynski (links) vom Domstiftsarchiv in Brandenburg eröff­nete die neue Wintervortragsreihe. Foto: Frank ermer

Uwe Czubatynski (links) vom Domstiftsarchiv in Brandenburg eröff­nete die neue Wintervortrags-reihe.                                          Foto: Frank Ermer

HavelbergDer Havelberger Heimatverein ist in eine neue Saison der Wintervortragsrei­ he recht erfolgreich gestartet. Es konnten sehr viele Gäste begrüßt werden, die sich mit dem Thema „Die Entstehung der Prignitz bis 1415″ auseinandersetzen wollten und konnten.
Uwe Czubatynski – Domstiftsarchiv Brandenburg – rief Bekanntes für die Zuhörer in Erinnerung und brachte viele neue bzw. unbekannte Details ans Tageslicht.  Er erinnerte in diesem Zusammenhang an Adolph Friedrich Riedel (1809 – 1872), den Sammler der Urkunden, wie dieser auch ge­ nannt wird. Er war ein deut­ scher Archivar und Historiker. Sein bedeutendstes Werk ist die Sammlung von Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellen über die Geschichte der Mark Brandenburg. Diese veröffentlichte er unter dem Titel „Codex diplomaticus Brandenburgensis“.

Im weiteren Verlauf des Vortrages wurde über die einst­mals hier siedelnden Germanen, in erster Linie vom Stamm der Langobarden, berichtet. Im Havelland waren es wohl eher die Semnonen. Im Zuge der Völkerwanderung verließen die germanischen Stämme, um 370 n. Chr., ihren angestamm­ ten Siedlungsbereich und zogen Richtung Norditalien. Zu dieser Zeit muss die Region der heutigen Prignitz wohl fast menschenleer gewesen sein. Erst im 7. Jahrhundert kamen aus dem Osten die slawischen Stämme, die sich zwischen Oder und Elbe ansiedelten. Auf eine schriftliche Überlieferung aus dieser Zeit können wir leider nicht zurückgreifen. Weder die Germanen noch die Slawen entwickelten zu jener Zeit eine Schriftsprache. Mit der Gründung des Havelberger Bistums 946 beginnt sogleich die schriftliche Überlieferung. Die Gründungsurkunde des Bistums ist die Eingangspforte zur Geschichte der Prignitz. Hier sind bereits, neben Havelberg, die ältesten Städte der Prignitz erwähnt, so zum Beispiel Nitzow, Putlitz und Wittstock. Mit diesen und vielen anderen Siedlungen wurden die Landesherren – die Edelherren, Markgrafen und Bischöfe – im­mer mächtiger. Durch dieses Siedlungswerk bildeten sich der Adel und die Bauernschaft immer stärker aus. In dieser Zeit entstanden durch die sich ansiedelnde Bevölkerung die meisten Dorfkirchen. So findet man in der Prignitz im Gegen­ satz zu anderen Regionen in jedem Dorf oder Stadt heute eine Kirche.
Die Prignitz verfügt nicht über sehr viele Klöster, aber die drei bekanntesten wurden zwischen 1225  und 1287 gegründet. 1225 Kyritz durch die Franzis­kaner,  Marienfließ 1231 (Edle Herren Gans) und Heiligengrabe 1287 durch Markgraf Otto IV. In Heiligengrabe befand sich auch eine ehemalige Sammlung der  Archäologie. 1945 wurde dieses Museum aber leider zer­stört und die meisten seiner Fundstücke gingen verloren.
Politisches Chaos, Fehde­wesen und das Wunderblut von Wilsnack prägten die Geschichte der Prignitz im 14. Jahrhundert. Jedoch darf auch nicht die Fehde zwischen der Familie von Quitzow und Friedrich VI. Burggraf von Nürnberg (1397-1420), den ersten Kurfürs­ten Brandenburgs (1415 – 1440), vergessen werden. Mit der  Machtübernahme der Hohenzollern schloss Uwe Czubatynski seinen Vortrag über die Entstehung der Prignitz ab.
Der Heimatverein bedankt sich recht herzlich beim Referenten für den Vortrag. Am Sonnabend, 19. No­vember, wird die Vortragsreihe mit dem Thema „Legenden und Tatsachen um den Zarenbesuch im Jahr 1716″ mit Sabine Ball und Antje Reiche! fortgesetzt.

 

 

Heute geht´s hinauf auf dem Dom

Text von Dieter Haase
Volksstimme, 01. Juni 2016, Seite 19, Elb-Havel-Echo

Havelberg l Zum Thema “Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes“ hatte Wolfram Bleis im Dezember 2015 im ArtHotel Kiebitzberg bereits den theoretischen Teil abgehandelt. Hier ging es hauptsächlich um den Bau des Westwerks des Domes, an dem im Laufe der Zeit die eine oder andere Veränderung vorgenommen wurde.
Heute nun soll Teil 2 folgen, die bautechnische Begehung. Wolfram Bleis wird alle Interessenten mit an die Orte im Westwerk nehmen, an denen diese Veränderungen noch heute deutlich zu erkennbar sind. Ob der Havelberger Bischof Walo (1155 – 1177/78) in seinen Amtsjahren bereits geahnt hat, dass der Dom noch mehrfach umgebaut werden würde, ist schwer zu sagen.
Vielleich kann bei diesem Rundgang, auch auf die Veränderung der zum Einsatz gekommenen Fußmaße Antwort gefunden werde. Erinnert soll nur daran werden, dass während der Bautätigkeit drei bekannte Fußmaße im Havelberger Dom Verwendung fanden, das Hirsauer Fußmaß (29,54 cm), das Staufisches Fußmaß (30,50 cm) und das Havelberger Fußmaß (31,11 cm), wie es Wolfram Bleis bezeichnet.
Die Veranstaltung findet im Dom St. Marien, statt. Die Mitglieder des Heimatvereins Havelberg und geschichtsinteressierte Gäste sind herzlich willkommen. Wir treffen uns mit Wolfram Bleis vor dem Westwerk am 01.06.2016 um 18:00 Uhr.
An Stelle eines Eintrittspreises wird um eine Spende zur Deckung der Unkosten gebeten. Die Termine zur Veranstaltungsreihe können auch über die Homepage des Vereins unter http://www.havelberg-heimatverein.de/termine-veranstaltungen abgerufen werden.