Gedenktafel als Fußablage benutzt

Zuletzt war sie mit Bänken aus der Stadtkirche eingelagert / Pfarrer entdeckte sie durch Zufall

Text und Bild von Dieter Haase
Volksstimme, Dienstag, 10. Mai 2011, Seite 15, Elb-Havel-Echo

2,70 Meter hoch ist die Gedenktafel für die Gefallenen in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815. Die Namen von 35 getöteten Männern aus Havelberg befinden sich darauf.

Ein Stück Havelberger Geschichte wird derzeit in der Schönhauser Werkstatt von Restaurator Hagen Siedler wieder zum Leben erweckt.

Havelberg/Schönhausen • Es handelt sich um eine Tafel mit Namen von Gefallenen der Befreiungskriege in den Jahren von 1813 bis 1815. „Aus diesem Kirchspiel starben für König und Vaterland 1813/14 und 1815“ ist die 2,70 Meter große Tafel überschrieben. Darunter sind dann insgesamt 35 Namen aufgelistet.

Auf altem Foto entdeckt
Auf einem sehr alten Foto aus der Havelberger Stadtkirche sieht man diese und sogar noch eine weitere, noch größere Tafel. Beide sind irgendwann aus dem Kircheninneren verschwunden“, berichtet Pfarrer Frank Städler. „Keiner wusste, wohin. Wir vermuten jedoch, dass die Politik in der DDR für die Entfernung der Tafeln verantwortlich war.“„Auf einem sehr alten Foto aus der Havelberger Stadtkirche sieht man diese und sogar noch eine weitere, noch größere Tafel. Beide sind irgendwann aus dem Kircheninneren verschwunden“, berichtet Pfarrer Frank Städler. „Keiner wusste, wohin. Wir vermuten jedoch, dass die Politik in der DDR für die Entfernung der Tafeln verantwortlich war

Noch eine zweite Tafel
Als Frank Städler im Vorjahr all die eingelagerten Dinge in Augenschein nahm, entdeckte er nicht nur die eine, sondern auch noch die zweite Tafel, die vermutlich Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmet war. „Sie ist in einem bedauerlichen, verwurmten Zustand“, erklärt Frank Städler. „Aber erst einmal in Sicherheit gebracht worden.“

Kommt zurück in die Stadtkirche
Für die andere Tafel zu den Befreiungskriegen hat der Gemeindekirchenrat einen Beschluss gefasst. Sie soll so gut wie möglich zusammengesetzt (sie ist in drei Teile zerbrochen), verfestigt und gesäubert werden und dann wieder einen Platz in der Stadtkirche erhalten. „Derzeit sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Standort in dem Gotteshaus“, ist zu erfahren.

600 Euro vom Heimatverein
Für die Tafel aus den Befreiungskriegen hat Hagen Siedler von der Kirche den Auftrag zur Restaurierung erhalten. Mit 600 Euro unterstützt der Heimatverein Havelberg das Vorhaben. „Ein Fachmann für Oberfläche und damit für die Schrift bin ich nicht. Wenn hier mehr gewünscht wird, als ich machen kann, muss ein weiterer Res­taurator damit beauftragt werden. Was aber das Zusammensetzen der Tafel, die Holzarbeiten und die Reinigung betrifft, will ich das mit größter Sorgfalt erledigen“, verspricht er.

Holzwurm war fleißig
Einst ist die Tafel aus Eichenholz aus fünf Einzelteilen zusammengeleimt worden. Drei Teile sind auseinander gebrochen. In diesen Splintholzbereichen hat der Holzwurm bereits sehr fleißig „gearbeitet“. „Das sind so die Problemstellen. Aber das kriege ich alles schon wieder hin“, ist sich Hagen Siedler sicher. Unter anderem durch eine Verfestigung mit Kunstharz und mit Leim. Zur Verschmutzung der Oberfläche tragen auch einige Fußabdrücke bei, die die These von Frank Städler als Fußablage bestätigen könnten.

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